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Architektur

Cloud-Native

Softwarearchitektur, die speziell für Cloud-Umgebungen optimiert ist: Microservices, Container, dynamische Skalierung und deklarative APIs.

Cloud-Native ist mehr als nur Software in der Cloud zu betreiben. Es ist ein Paradigmenwechsel: Anwendungen werden von Grund auf für die Cloud konzipiert, um deren Vorteile voll auszuschöpfen. Cloud-native Anwendungen sind hochverfügbar, elastisch skalierbar und durch Automatisierung schnell weiterentwickelbar. Die CNCF (Cloud Native Computing Foundation) definiert die Standards, Kubernetes ist das Fundament.

Was ist Cloud-Native?

Cloud-Native bezeichnet Software, die von Anfang an für den Betrieb in Cloud-Umgebungen entwickelt wurde. Laut CNCF basiert Cloud-Native auf vier Säulen: Microservices (kleine, unabhängige Services statt Monolith), Container (leichtgewichtige, portable Laufzeitumgebungen), dynamische Orchestrierung (Kubernetes für automatisches Deployment und Skalierung) und deklarative APIs (Infrastruktur als Code). Cloud-native Anwendungen nutzen die elastische Skalierung, globale Verteilung und Managed Services der Cloud optimal. Sie sind resilient by Design: Einzelne Komponenten können ausfallen, ohne das Gesamtsystem zu gefährden.

Wie funktioniert Cloud-Native?

Eine Cloud-native Anwendung besteht aus vielen kleinen Microservices, die jeweils in Containern (Docker) verpackt sind. Kubernetes orchestriert diese Container: startet sie, verteilt die Last, skaliert hoch bei Bedarf und ersetzt ausgefallene Instanzen automatisch. Jeder Service hat seine eigene Datenbank (Database per Service), kommuniziert über APIs oder Event-Streaming (Kafka) und wird über eine eigene CI/CD-Pipeline unabhängig deployed. Service Meshes (Istio, Linkerd) übernehmen Kommunikation, Verschlüsselung und Observability zwischen Services. Infrastructure as Code (Terraform, Pulumi) macht die gesamte Infrastruktur versioniert und reproduzierbar.

Praxisbeispiele

1

Netflix: Hunderte Microservices, orchestriert auf AWS, skalieren dynamisch auf Millionen gleichzeitiger Streams – ein Paradebeispiel cloud-nativer Architektur.

2

E-Commerce-Plattform: Produktkatalog, Warenkorb, Checkout, Empfehlungen und Suche als separate Microservices, die unabhängig skaliert werden.

3

Fintech-Startup: Zahlungsverarbeitung, KYC-Prüfung und Reporting als isolierte Services mit eigenen Datenbanken und Compliance-Anforderungen.

4

IoT-Backend: Edge-Geräte senden Daten an ein Event-Streaming-System (Kafka), das sie an spezialisierte Microservices für Analyse, Alarming und Storage verteilt.

Typische Anwendungsfälle

SaaS-Produkte: Multi-Tenant-Anwendungen mit elastischer Skalierung und hoher Verfügbarkeit

E-Commerce: Hochverfügbare Shops, die Traffic-Spitzen (Black Friday, Blitz-Deals) automatisch bewältigen

Finanzdienstleistungen: Regulatorisch isolierte Services mit unabhängiger Compliance und Auditing

IoT-Plattformen: Event-getriebene Architekturen für Millionen gleichzeitiger Geräteverbindungen

Streaming und Media: Globale Content-Delivery mit dynamischer Skalierung basierend auf Nutzerzahlen

Vorteile und Nachteile

Vorteile

  • Elastische Skalierung: Automatisch hoch- und herunterskalieren basierend auf der tatsächlichen Last
  • Resilienz: Ausfall einzelner Services beeinflusst nicht das Gesamtsystem
  • Schnellere Releases: Unabhängige Deployments pro Service ermöglichen kontinuierliche Innovation
  • Technologiefreiheit: Jeder Service kann die optimale Sprache und Datenbank nutzen
  • Portabilität: Container-basierte Services laufen auf jeder Cloud und lokal

Nachteile

  • Komplexität: Verteilte Systeme sind inherent komplexer als Monolithen (Netzwerk, Konsistenz, Debugging)
  • Overhead: Service Discovery, Load Balancing, Monitoring und Tracing erfordern zusätzliche Infrastruktur
  • Kosten: Kubernetes-Cluster und Managed Services können bei kleinen Anwendungen unverhältnismäßig teuer sein
  • Lernkurve: Docker, Kubernetes, Service Meshes und Observability erfordern spezialisiertes Know-how
  • Nicht für alles geeignet: Für kleine Teams und einfache Anwendungen ist ein Monolith oft die bessere Wahl

Häufig gestellte Fragen zu Cloud-Native

Muss ich Cloud-Native entwickeln?

Nein. Cloud-Native ist die richtige Architektur für komplexe, skalierbare Anwendungen mit mehreren Teams. Für kleine bis mittelgroße Projekte mit einem Team ist ein modularer Monolith oft die bessere Wahl: einfacher zu entwickeln, zu testen und zu deployen. Starten Sie monolithisch und extrahieren Sie Services erst, wenn die Komplexität es erfordert.

Was ist der Unterschied zwischen Cloud-Native und Cloud-Ready?

Cloud-Ready (Lift and Shift) bedeutet, eine bestehende Anwendung unverändert in die Cloud zu migrieren – z.B. eine VM von On-Premise nach AWS verschieben. Cloud-Native bedeutet, die Anwendung für die Cloud zu (re)designen: Microservices, Container, Auto-Scaling. Cloud-Ready nutzt die Cloud als besseres Rechenzentrum, Cloud-Native nutzt alle Cloud-Vorteile.

Brauche ich Kubernetes für Cloud-Native?

Kubernetes ist der De-facto-Standard für Container-Orchestrierung, aber nicht die einzige Option. Für einfachere Setups reichen managed Services wie AWS ECS, Google Cloud Run oder Azure Container Apps. Serverless-Plattformen (AWS Lambda, Vercel) sind ebenfalls cloud-native und erfordern kein Kubernetes. Kubernetes lohnt sich ab ca. 10+ Microservices und wenn das Team die nötige Expertise mitbringt.

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