# Legacy-Systeme im Finanzsektor: Compliance und Sicherheit
Veröffentlicht am: 21. Januar 2026 | | Lesezeit: ca. 9 Minuten
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Das tickende Zeitbombe in der Finanz-IT
Die doppelte Herausforderung: Sicherheit und Compliance
Sicherheitsrisiken von Legacy-Systemen in Banken
Compliance-Albtraum: DSGVO, PSD2 und Co.
Modernisierungsstrategien für den Finanzsektor
Fallstudie: Erfolgreiche Modernisierung einer Kernbankenplattform
Fazit: Modernisierung als Pflicht für die Finanzbranche
1. Einleitung: Die tickende Zeitbombe in der Finanz-IT
Der Finanzsektor ist das Rückgrat der modernen Wirtschaft. Doch in den Kellern vieler Banken und Versicherungen schlummern noch immer Legacy-Systeme, die teilweise vor Jahrzehnten auf Mainframes und in COBOL geschrieben wurden. Diese Systeme sind nicht nur ein Hindernis für Innovationen wie Open Banking und digitale Kundenerlebnisse, sondern auch eine tickende Zeitbombe in Bezug auf Sicherheit und Compliance.
Eine Umfrage ergab, dass 44% der Banken immer noch auf COBOL-basierten Systemen laufen [1]. Das Festhalten an dieser veralteten Technologie ist keine Option mehr. Dieser Artikel beleuchtet die spezifischen Risiken von Legacy-Systemen im Finanzsektor und zeigt Wege für eine sichere und konforme Modernisierung auf.
2. Die doppelte Herausforderung: Sicherheit und Compliance
Keine andere Branche ist so stark reguliert und gleichzeitig ein so attraktives Ziel für Cyberkriminelle wie der Finanzsektor. Legacy-Systeme stellen hier eine doppelte Herausforderung dar:
Sicherheit: Veraltete Architekturen und Programmiersprachen bieten eine große Angriffsfläche für Hacker.
Compliance: Neue regulatorische Anforderungen (z.B. DSGVO, PSD2) sind mit Altsystemen oft nur schwer oder gar nicht umzusetzen.
3. Sicherheitsrisiken von Legacy-Systemen in Banken
Fehlende Sicherheitsupdates: Für viele veraltete Betriebssysteme und Bibliotheken gibt es keine Sicherheitspatches mehr.
Mangel an Fachwissen: Entwickler, die sich mit COBOL und Mainframes auskennen, gehen in den Ruhestand. Das Wissen zur Wartung und Absicherung der Systeme geht verloren.
Schlechte Integrierbarkeit: Die Anbindung moderner Sicherheitslösungen (z.B. für Identitätsmanagement oder Echtzeit-Betrugserkennung) an Altsysteme ist oft kompliziert und lückenhaft.
4. Compliance-Albtraum: DSGVO, PSD2 und Co.
Die Regulierungsdichte im Finanzsektor nimmt stetig zu. Legacy-Systeme werden hier schnell zur Compliance-Falle:
DSGVO: Anforderungen wie das "Recht auf Vergessenwerden" sind in monolithischen Systemen, in denen Kundendaten an unzähligen Stellen gespeichert sind, kaum umsetzbar.
PSD2 (Payment Services Directive 2): Die Richtlinie erfordert von Banken, Drittanbietern über APIs Zugriff auf Kontodaten zu gewähren (Open Banking). Dies ist mit gekapselten Legacy-Systemen technisch nur schwer zu realisieren.
Reporting-Anforderungen: Aufsichtsbehörden verlangen immer detailliertere und zeitnahe Berichte, die aus den starren Datenstrukturen von Altsystemen nur mühsam zu extrahieren sind.
5. Modernisierungsstrategien für den Finanzsektor
Aufgrund der hohen Risiken und der Komplexität von Kernbankensystemen ist eine schrittweise Modernisierung oft der beste Weg. Ansätze wie das Strangler-Fig-Pattern und die schrittweise Auslagerung von Funktionalitäten in Microservices haben sich bewährt. Eine API-First-Strategie kann helfen, die Altsysteme zu kapseln und moderne, sichere Schnittstellen für neue digitale Dienste bereitzustellen.
6. Fallstudie: Erfolgreiche Modernisierung einer Kernbankenplattform
Eine große europäische Bank stand vor der Herausforderung, ihr 30 Jahre altes, auf einem Mainframe basierendes Kernbankensystem zu modernisieren. Anstatt eines riskanten "Big Bang"-Ansatzes entschied sich die Bank für eine schrittweise Modernisierung. Zuerst wurden kundennahe Funktionen wie das Online-Banking in eine neue, auf Microservices basierende Plattform ausgelagert. Über einen API-Layer kommunizierten die neuen Services mit dem Altsystem. Schritt für Schritt wurden weitere Funktionalitäten migriert, bis der Mainframe schließlich abgeschaltet werden konnte. Das Ergebnis: eine höhere Agilität, verbesserte Sicherheit und die Fähigkeit, neue digitale Produkte in Wochen statt in Monaten auf den Markt zu bringen.
7. Fazit: Modernisierung als Pflicht für die Finanzbranche
Für Banken und Versicherungen ist die Modernisierung ihrer Legacy-Systeme keine Kür, sondern eine Pflicht. Die Risiken in den Bereichen Sicherheit und Compliance sind zu hoch, um sie zu ignorieren. Gleichzeitig eröffnet die Modernisierung die Chance, die eigene Wettbewerbsfähigkeit durch innovative digitale Angebote zu stärken.
Eine gut geplante, schrittweise Modernisierungsstrategie, die auf bewährten Mustern und modernen Architekturen aufbaut, ist der Schlüssel zum Erfolg. Sie minimiert das Risiko und stellt sicher, dass das Herz der Finanzinstitute auch in Zukunft sicher und zuverlässig schlägt.
Referenzen
[1] Finextra. (2023). 44% of banks still running on COBOL. https://www.finextra.com/newsarticle/42386/44-of-banks-still-running-on-cobol
Mehr erfahren: Entdecken Sie unsere Legacy-Modernisierung und wie wir Ihr Unternehmen unterstützen können.
Über den Autor
Groenewold IT Solutions
Softwareentwicklung & Digitalisierung
Praxiserprobte Einblicke aus Projekten rund um individuelle Softwareentwicklung, Integration, Modernisierung und Betrieb – mit Fokus auf messbare Ergebnisse und nachhaltige Architektur.
Verwandte Themen:
Weiterlesen
Ähnliche Artikel
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren.
Legacy-Modernisierung: So machen Sie Altsysteme fit für die Zukunft
Legacy-Systeme sind oft das Rückgrat eines Unternehmens – aber auch ein wachsendes Risiko. Veraltete Technologien, fehlende Dokumentation und Abhängigkeit von Spezialwissen machen die Wartung teuer und die Weiterentwicklung schwierig. Dieser Gui...
30. Januar 2026
Legacy-ModernisierungDie Zukunft des Geldes: Wie App-Entwicklung Finanzdienstleistungen und Banken revolutioniert
Die Finanzwelt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Angetrieben durch technologische Innovationen und veränderte Kundenerwartungen hat die **App-Entwicklung für Finanzdienstleistungen & Banken** eine zentrale Rolle eingenommen. Was einst ...
28. Januar 2026
Legacy-ModernisierungLegacy-Modernisierung für Bildung & Forschung: Der Weg zur digitalen Souveränität
Die Digitalisierung hat alle Bereiche der Gesellschaft erfasst, doch nur wenige Sektoren stehen vor so einzigartigen und komplexen Herausforderungen wie **Bildung und Forschung**. Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind die Kei...
Kostenloser Download
Checkliste: 10 Fragen vor der Software-Entwicklung
Was Sie klären sollten, bevor Sie in individuelle Software investieren – Budget, Timeline, Anforderungen und mehr.
Checkliste im Beratungsgespräch erhaltenPassende nächste Schritte
Relevante Leistungen & Lösungen
Basierend auf dem Thema dieses Artikels sind diese Seiten oft die sinnvollsten Einstiege.
Passende Leistungen
Passende Lösungen
Ihr Technologiepartner
Digitale Transformation mit erfahrenem Partner
Digitale Projekte scheitern selten an der Technologie – sie scheitern an fehlender Strategie, unklaren Anforderungen oder mangelnder Erfahrung in der Umsetzung. Die Wahl des richtigen Technologiepartners ist daher eine der wichtigsten Entscheidungen für den Projekterfolg. Ein erfahrener Partner bringt nicht nur technisches Know-how mit, sondern versteht auch die geschäftlichen Zusammenhänge und kann zwischen Fachabteilungen und Entwicklungsteam übersetzen. Gerade bei komplexen Digitalisierungsvorhaben ist es entscheidend, dass technische Machbarkeit und geschäftlicher Nutzen von Anfang an zusammengedacht werden.
Strukturierte Vorgehensweisen reduzieren das Projektrisiko erheblich. Agile Methoden wie Scrum und Kanban ermöglichen kurze Feedback-Zyklen, in denen Ergebnisse früh sichtbar werden und Korrekturen ohne hohe Folgekosten möglich sind. Lean-Prinzipien helfen, den Fokus auf den tatsächlichen Kundennutzen zu legen und unnötige Komplexität zu vermeiden. Die Kombination aus iterativer Entwicklung und kontinuierlichem Stakeholder-Feedback stellt sicher, dass das Endergebnis den realen Anforderungen entspricht – nicht nur den ursprünglichen Annahmen. Jeder Sprint liefert ein potenziell nutzbares Inkrement, das getestet und validiert werden kann.
Technologie-Entscheidungen haben langfristige Auswirkungen auf Wartbarkeit, Skalierbarkeit und Betriebskosten. Deshalb evaluieren wir gemeinsam mit Ihnen, welcher Technologie-Stack zu Ihren Anforderungen, Ihrem Team und Ihrer bestehenden Infrastruktur passt. Ob React, Angular oder Vue im Frontend, Node.js, .NET oder Python im Backend, relationale oder NoSQL-Datenbanken – jede Entscheidung wird anhand konkreter Kriterien wie Ökosystem-Reife, Verfügbarkeit von Entwicklern und langfristiger Community-Unterstützung bewertet.
Groenewold IT Solutions begleitet Unternehmen seit über 15 Jahren bei der Umsetzung anspruchsvoller Digitalprojekte – von der ersten Anforderungsanalyse über Architekturentscheidungen bis zum produktiven Betrieb. Mit mehr als 250 abgeschlossenen Projekten in Branchen wie Maschinenbau, Handel, Gesundheitswesen und Finanzdienstleistung verfügen wir über ein breites Erfahrungsspektrum. Unsere Methodik kombiniert bewährte Engineering-Praktiken mit pragmatischem Projektmanagement: Klare Meilensteine, transparente Kommunikation und ein festes Ansprechpartner-Prinzip sorgen dafür, dass Projekte im Zeit- und Budgetrahmen bleiben.
Ob Neuentwicklung, Modernisierung bestehender Systeme oder Integration verschiedener Plattformen – wir finden gemeinsam mit Ihnen die passende Lösung und setzen sie zuverlässig um. Unsere Projekte enden nicht mit dem Go-Live: Wir bieten strukturierte Wartungsverträge, Monitoring und kontinuierliche Weiterentwicklung, damit Ihre Software auch nach Jahren noch sicher, performant und zukunftsfähig bleibt. Vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch, in dem wir Ihre Anforderungen besprechen und eine erste Einschätzung zu Aufwand, Timeline und Vorgehen geben.
