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Entwicklung

Refactoring

Systematische Verbesserung der internen Struktur von bestehendem Code, ohne dessen externes Verhalten zu veraendern.

Refactoring ist die Kunst, bestehenden Code besser zu machen, ohne dass sich für den Nutzer etwas aendert. Jede erfolgreiche Software sammelt ueber die Zeit technische Schulden an: Quick Fixes, duplizierter Code, uebermaessig komplexe Funktionen. Regelmaessiges Refactoring haelt die Codebasis gesund, senkt Wartungskosten und ermöglicht es dem Team, schnell und sicher neue Features zu entwickeln.

Was ist Refactoring?

Refactoring ist der Prozess, die interne Struktur von Software zu verbessern, ohne ihr externes Verhalten zu aendern. Der Begriff wurde von Martin Fowler in seinem gleichnamigen Standardwerk gepraegt. Typische Refactoring-Maßnahmen sind: Extract Method (lange Funktionen in kleinere aufteilen), Rename Variable (sprechende Namen vergeben), Move Method (Methoden in die richtige Klasse verschieben), Replace Conditional with Polymorphism (if-else-Ketten durch Vererbung ersetzen) und Remove Duplication (duplizierten Code zusammenfuehren). Refactoring erfordert eine solide Testsuite als Sicherheitsnetz, die sicherstellt, dass das Verhalten unveraendert bleibt.

Wie funktioniert Refactoring?

Refactoring folgt dem Prinzip kleiner, sicherer Schritte: Jede Aenderung ist minimal und wird sofort durch Tests validiert. Der Workflow ist: Identifiziere einen Code Smell (z.B. eine 200-Zeilen-Funktion), waehle ein passendes Refactoring-Pattern, fuehre die Aenderung durch und lasse die Tests laufen. Moderne IDEs wie IntelliJ und VS Code bieten automatisierte Refactoring-Werkzeuge (Extract, Rename, Move), die strukturelle Aenderungen sicher durchfuehren. In CI/CD-Pipelines stellen automatisierte Tests sicher, dass Refactoring kein Verhalten bricht.

Praxisbeispiele

1

God-Class aufloesen: Eine 3.000-Zeilen-Service-Klasse wird in spezialisierte Klassen mit klaren Verantwortlichkeiten aufgeteilt (Single Responsibility Principle).

2

Duplizierter Code: Identische Logik in 8 Controllern wird in eine gemeinsame Service-Methode extrahiert, die von allen Controllern genutzt wird.

3

Magische Zahlen ersetzen: Hartcodierte Werte wie if (status === 3) werden durch benannte Konstanten wie if (status === OrderStatus.SHIPPED) ersetzt.

4

Spaghetti-Callbacks aufloesen: Verschachtelte Callback-Funktionen (Callback Hell) werden durch async/await refactored, was den Code lesbar und wartbar macht.

5

Feature Envy beheben: Eine Methode, die staendig auf Daten einer anderen Klasse zugreift, wird in die richtige Klasse verschoben.

Typische Anwendungsfälle

Technische Schulden abbauen: Systematisches Aufarbeiten von Quick Fixes und Kompromissen aus der Vergangenheit

Vor neuen Features: Bestehenden Code aufraemen, bevor neue Funktionalitaet draufgebaut wird

Code Reviews: Verbesserungen, die waehrend Reviews identifiziert werden, als Refactoring umsetzen

Legacy-Modernisierung: Schrittweise Verbesserung alter Codebasis als Vorbereitung für Migration

Performance-Optimierung: Strukturelle Aenderungen, die effizientere Algorithmen oder Datenstrukturen ermöglichen

Vorteile und Nachteile

Vorteile

  • Wartbarkeit: Sauberer Code ist leichter zu verstehen, zu aendern und zu erweitern
  • Weniger Bugs: Gut strukturierter Code hat weniger versteckte Fehlerquellen
  • Schnellere Feature-Entwicklung: In einer sauberen Codebasis lassen sich neue Features schneller bauen
  • Wissenstransfer: Lesbarer Code erleichtert neuen Teammitgliedern den Einstieg
  • Reduzierte Komplexitaet: Einfacherer Code senkt die kognitive Belastung des Teams

Nachteile

  • Kein sichtbarer Nutzen: Refactoring liefert keine neuen Features, was gegenueber Stakeholdern schwer zu vermitteln ist
  • Risiko ohne Tests: Ohne ausreichende Testabdeckung kann Refactoring versehentlich Verhalten aendern
  • Zeitaufwand: Größere Refactorings koennen Tage oder Wochen dauern und andere Entwicklung blockieren
  • Endlose Optimierung: Ohne klare Ziele kann Refactoring zum Selbstzweck werden

Häufig gestellte Fragen zu Refactoring

Wann sollte man refactoren und wann neu schreiben?

Refactoring lohnt sich, wenn die Grundstruktur des Codes solide ist und gezielte Verbesserungen möglich sind. Ein Rewrite ist angebracht, wenn die Architektur fundamental falsch ist, veraltete Technologien eingesetzt werden oder die Codebasis so chaotisch ist, dass Aenderungen unverhealtnismaessig aufwaendig sind. Die Boy-Scout-Rule (Code immer ein bisschen besser hinterlassen) ist ein guter Alltagsansatz.

Wie ueberzeugt man das Management von Refactoring?

Quantifizieren Sie die Kosten technischer Schulden: Wie viel laenger dauern neue Features? Wie oft treten Bugs auf? Wie schwer ist das Onboarding neuer Entwickler? Refactoring in Sprints einplanen (z.B. 20% der Kapazitaet) und den Fortschritt ueber Metriken wie zyklomatische Komplexitaet und Testabdeckung messen.

Was sind die wichtigsten Code Smells?

Long Method (zu lange Funktionen), Large Class (God Classes), Duplicated Code, Feature Envy (Methoden, die zu viel auf andere Klassen zugreifen), Primitive Obsession (fehlende Abstraktion) und Shotgun Surgery (eine Aenderung erfordert Modifikationen an vielen Stellen). Martin Fowlers Buch listet ueber 20 Code Smells mit passenden Refactoring-Techniken.

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