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Modernisierung

Legacy-System

Ältere Software, die produktiv im Einsatz ist, aber technisch veraltet sein kann. Oft geschäftskritisch, aber schwer zu warten, zu erweitern und zu sichern.

Ein Legacy-System ist nicht gleich ein schlechtes System. Viele Altsysteme laufen seit Jahrzehnten stabil und bilden die Grundlage für Milliardenumsätze. Das Problem: Die Welt um sie herum hat sich verändert. Cloud, Mobile, KI und moderne Nutzererwartungen stellen Anforderungen, für die diese Systeme nie konzipiert wurden. Legacy-Systeme werden dann zum Risiko, wenn Wartung teurer wird als Modernisierung und Fachkräfte nicht mehr zu finden sind.

Was ist Legacy-System?

Ein Legacy-System ist Software, die noch produktiv im Einsatz ist, aber auf veralteter Technologie, Architektur oder Infrastruktur basiert. Es gibt keine feste Altersgrenze – ein 5 Jahre altes System auf einem nicht mehr unterstützten Framework ist genauso Legacy wie ein 30 Jahre altes COBOL-System. Typische Merkmale: Programmiersprache wird kaum noch gelehrt (COBOL, Delphi, VB6), keine oder unzureichende Dokumentation, monolithische Architektur ohne APIs, Abhängigkeit von veralteter Infrastruktur (Windows Server 2003, proprietäre Datenbanken), fehlende automatisierte Tests, und ein schrumpfender Pool an Entwicklern, die das System warten können.

Wie funktioniert Legacy-System?

Legacy-Systeme funktionieren oft erschreckend gut – das ist Teil des Problems. Sie wurden über Jahre optimiert und an Geschäftsprozesse angepasst. Die Herausforderung liegt in der technischen Schuld, die sich über die Jahre angehäuft hat: Jede Änderung wird riskanter, weil es keine Tests gibt. Neue Anforderungen werden mit Workarounds implementiert, weil die Architektur sie nicht elegant unterstützt. Wissen über das System konzentriert sich auf wenige Personen (Bus-Faktor). Sicherheitspatches sind schwer einzuspielen, weil Abhängigkeiten unklar sind.

Praxisbeispiele

1

COBOL-Banking: Viele Großbanken betreiben Kernbankensysteme in COBOL – sie verarbeiten Millionen Transaktionen täglich, aber das Durchschnittsalter der COBOL-Entwickler liegt bei über 55 Jahren.

2

Delphi-ERP: Ein Produktionsunternehmen betreibt ein 18 Jahre altes Delphi-basiertes Warenwirtschaftssystem – es funktioniert, aber Mobile-Zugang, API-Anbindung und Cloud-Migration sind unmöglich.

3

VB6-Branchensoftware: Eine Versicherung nutzt eine Visual-Basic-6-Anwendung (End-of-Support seit 2008) für die Vertragsabwicklung – jeder Patch ist ein Risiko.

4

PHP-4-Webshop: Ein Onlineshop läuft auf PHP 4.3 mit einer MySQL-5.0-Datenbank – weder HTTPS-Support noch moderne Sicherheitsstandards sind möglich.

Typische Anwendungsfälle

Risiko-Assessment: Bewertung von Legacy-Systemen hinsichtlich technischer Schulden, Sicherheitsrisiken und Geschäftskritikalität

Schrittweise Modernisierung: API-Anbindung, Refactoring und Migration nach dem Strangler-Fig-Pattern

Parallelbetrieb: Neues und altes System laufen parallel, Funktionen werden schrittweise migriert

Wissenskonservierung: Dokumentation der Geschäftslogik vor der Modernisierung oder dem Ausscheiden von Schlüsselpersonen

Sicherheitshärtung: Minimale Absicherung von Legacy-Systemen (Netzwerk-Isolation, WAF, Monitoring)

Vorteile und Nachteile

Vorteile

  • Bewährt: Legacy-Systeme laufen oft seit Jahren stabil und haben sich in der Praxis bewährt
  • Geschäftslogik: Jahre der Anpassung haben wertvolle, fein abgestimmte Geschäftsregeln hervorgebracht
  • Produktivdaten: Historische Daten sind wertvoll für Analysen, Compliance und Business Continuity
  • Amortisiert: Entwicklungskosten sind längst bezahlt – laufende Kosten sind nur Wartung

Nachteile

  • Steigende Wartungskosten: Je älter das System, desto teurer und riskanter wird jede Änderung
  • Fachkräftemangel: Entwickler für COBOL, Delphi, VB6 oder alte PHP-Versionen werden immer seltener und teurer
  • Sicherheitsrisiken: Veraltete Bibliotheken und fehlende Updates machen das System verwundbar
  • Innovationsbremse: Neue Anforderungen (Mobile, Cloud, KI) können nicht oder nur mit Workarounds umgesetzt werden
  • Compliance-Risiko: Veraltete Systeme erfüllen oft aktuelle Datenschutz- und Sicherheitsstandards nicht mehr

Häufig gestellte Fragen zu Legacy-System

Wann ist ein System Legacy?

Ein System wird zum Legacy, wenn: der Hersteller den Support eingestellt hat, Sicherheitsupdates nicht mehr verfügbar sind, Fachkräfte für die verwendete Technologie schwer zu finden sind, neue Geschäftsanforderungen nicht mehr umsetzbar sind, oder die Wartungskosten überproportional steigen. Alter allein ist kein Kriterium: Ein gut gewartetes Java-System von 2010 kann moderner sein als ein schlecht entworfenes Node.js-System von 2020.

Mein Legacy-System funktioniert – warum modernisieren?

Weil es nicht für immer funktionieren wird: Schlüsselpersonen mit System-Know-how gehen in Rente, Sicherheitslücken werden nicht mehr gepatcht, Hardware-Support endet, und Geschäftsanforderungen (Mobile, KI, Partner-APIs) machen Änderungen nötig. Proaktive Modernisierung ist deutlich günstiger und risikoärmer als eine erzwungene Migration unter Zeitdruck.

Wie priorisiere ich Legacy-Modernisierung?

Bewerten Sie jedes System nach: Geschäftskritikalität (wie wichtig?), technischem Risiko (wie veraltet/unsicher?), Änderungshäufigkeit (wie oft werden Anpassungen nötig?) und Fachkräfte-Verfügbarkeit (wer kann das System noch warten?). Systeme mit hoher Kritikalität und hohem Risiko haben Priorität. Erstellen Sie eine Modernisierungs-Roadmap mit Quick Wins (API-Anbindung) und langfristigen Maßnahmen (Ablösung).

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