Barrierefreiheit in Software: Die Anforderungen des öffentlichen Sektors verstehen
Februar 2026
In einer zunehmend digitalisierten Welt ist der barrierefreie Zugang zu Informationen und Dienstleistungen nicht nur eine Frage der sozialen Verantwortung, sondern auch eine gesetzliche Notwendigkeit. Insbesondere der öffentliche Sektor steht hier in der Pflicht, seine digitalen Angebote, einschließlich der verwendeten Software, für alle Bürgerinnen und Bürger zugänglich zu machen. Doch was bedeutet Barrierefreiheit im Kontext von Software für den öffentlichen Sektor konkret und welche Anforderungen müssen erfüllt werden? Dieser Beitrag gibt einen umfassenden Überblick.
Gesetzliche Grundlagen: Die BITV 2.0 als Maßstab
Die zentrale rechtliche Grundlage für die digitale Barrierefreiheit in der deutschen Bundesverwaltung ist die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0). Diese Verordnung konkretisiert die Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) und gibt klare Standards für die Gestaltung von Informationstechnik vor. Ziel ist es, eine umfassende und grundsätzlich uneingeschränkte Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen zu gewährleisten.
Die BITV 2.0 gilt für alle öffentlichen Stellen des Bundes und umfasst Webseiten, mobile Anwendungen, elektronisch unterstützte Verwaltungsabläufe und grafische Programmoberflächen. Damit ist sie der entscheidende Leitfaden für die Entwicklung und Beschaffung von Software im öffentlichen Sektor.
Die Kernanforderungen der BITV 2.0
Die Verordnung stellt eine Reihe von zentralen Anforderungen an die Barrierefreiheit, die sich an internationalen Standards orientieren. Entwickler und IT-Verantwortliche müssen diese Punkte bei der Konzeption und Umsetzung von Softwarelösungen berücksichtigen:
- Konformität mit der EN 301 549: Die BITV 2.0 verweist auf die harmonisierte europäische Norm EN 301 549. Diese Norm legt detaillierte technische Anforderungen für die Barrierefreiheit von IKT-Produkten und -Dienstleistungen fest. Die Einhaltung dieser Norm schafft die Vermutung der Konformität mit den gesetzlichen Anforderungen.
- Einhaltung des Stands der Technik: Über die EN 301 549 hinaus muss die Software dem aktuellen Stand der Technik entsprechen. Das bedeutet, dass bewährte und moderne technologische Lösungen genutzt werden müssen, um die bestmögliche Zugänglichkeit zu erreichen. Hierzu zählen beispielsweise auch die Normen der Reihe DIN EN ISO 9241 zur Ergonomie der Mensch-System-Interaktion.
- Höchstmögliches Maß an Barrierefreiheit: Für besonders wichtige Bereiche wie zentrale Navigations- und Einstiegsseiten oder interaktive Prozesse (z.B. Online-Formulare) fordert die BITV 2.0 ein „höchstmögliches Maß an Barrierefreiheit“. In der Praxis bedeutet dies oft die Erfüllung der anspruchsvollen Erfolgskriterien der Stufe AAA der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG).
- Bereitstellung von Informationen in Leichter Sprache und Gebärdensprache: Um auch Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder Gehörlose zu erreichen, müssen zentrale Inhalte, Navigationshilfen und die Erklärung zur Barrierefreiheit in Leichter Sprache und Deutscher Gebärdensprache angeboten werden.
Praktische Umsetzung: Was bedeutet das für die Softwareentwicklung?
Die gesetzlichen Vorgaben müssen in konkrete Entwicklungsentscheidungen übersetzt werden. Barrierefreiheit ist kein Feature, das am Ende hinzugefügt wird, sondern ein integraler Bestandteil des gesamten Entwicklungsprozesses – von der Konzeption über das Design und die Programmierung bis hin zum Testen.
Wichtige Aspekte der barrierefreien Softwareentwicklung
| Bereich | Anforderungen und Umsetzung |
|---|---|
| Wahrnehmbarkeit | Inhalte müssen so gestaltet sein, dass sie von allen Nutzern wahrgenommen werden können. Das bedeutet unter anderem: Alternativtexte für Bilder, Untertitel für Videos, ausreichende Farbkontraste und eine klare Strukturierung von Texten. |
| Bedienbarkeit | Alle Funktionen einer Software müssen ohne Maus, also allein über die Tastatur, bedienbar sein. Zeitkritische Eingaben sollten vermieden oder anpassbar sein. Zudem muss auf eine klare und konsistente Navigation geachtet werden. |
| Verständlichkeit | Die Sprache muss klar und verständlich sein. Fachbegriffe sollten erklärt und die Bedienung der Software intuitiv gestaltet werden. Fehlermeldungen müssen präzise und hilfreich sein. |
| Robustheit | Die Software muss mit einer Vielzahl von assistiven Technologien kompatibel sein, wie zum Beispiel Screenreadern oder Braillezeilen. Dies wird durch die Verwendung von standardkonformem Code (z.B. HTML5) und die Einhaltung von ARIA-Standards (Accessible Rich Internet Applications) erreicht. |
Fazit: Barrierefreiheit als Chance und Verpflichtung
Die Anforderungen an die Barrierefreiheit von Software für den öffentlichen Sektor sind komplex, aber unumgänglich. Sie stellen sicher, dass digitale Verwaltungsleistungen niemanden ausschließen und die Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger am digitalen Leben gefördert wird. Für öffentliche Auftraggeber bedeutet dies, bei der Beschaffung und Entwicklung von Softwarelösungen konsequent auf die Einhaltung der BITV 2.0 zu achten.
Die Umsetzung erfordert spezialisiertes Wissen und eine sorgfältige Planung. Eine frühzeitige Berücksichtigung der Barrierefreiheitsanforderungen spart nicht nur Kosten, sondern führt auch zu qualitativ hochwertigeren und nutzerfreundlicheren Anwendungen für alle.
Groenewold IT Solutions versteht die spezifischen Herausforderungen des öffentlichen Sektors und verfügt über die Expertise, barrierefreie Softwarelösungen nach den Vorgaben der BITV 2.0 zu konzipieren und zu realisieren. Wir begleiten Sie von der Anforderungsanalyse bis zur erfolgreichen Implementierung und helfen Ihnen, Ihre digitalen Angebote zukunftssicher und für alle zugänglich zu machen. Kontaktieren Sie uns für eine umfassende Beratung.
Mehr als nur eine Pflicht: Die Vorteile barrierefreier Software
Die Konzentration auf Barrierefreiheit bringt nicht nur rechtliche Konformität, sondern auch eine Reihe von Vorteilen, die über die primäre Zielgruppe hinausgehen. Barrierefreie Software ist in der Regel auch für alle anderen Nutzer benutzerfreundlicher und robuster.
- Verbesserte User Experience (UX): Klare Strukturen, eine intuitive Navigation und verständliche Inhalte kommen allen Nutzern zugute. Eine gut durchdachte, barrierefreie Software führt zu einer höheren Zufriedenheit und Effizienz bei der Nutzung.
- Technische Robustheit und Zukunftssicherheit: Die Einhaltung von Webstandards und die saubere semantische Strukturierung des Codes machen die Software nicht nur für assistive Technologien, sondern auch für Suchmaschinen besser lesbar. Dies verbessert die SEO-Performance und erleichtert zukünftige Wartungs- und Weiterentwicklungsarbeiten.
- Erweiterung der Zielgruppe: Eine barrierefreie Anwendung erreicht nicht nur Menschen mit dauerhaften Behinderungen, sondern auch solche mit temporären Einschränkungen (z.B. ein gebrochener Arm) oder situativen Beeinträchtigungen (z.B. laute Umgebung, grelles Sonnenlicht). Auch ältere Menschen mit altersbedingten Einschränkungen profitieren enorm.
Die Investition in Barrierefreiheit ist somit eine Investition in die Qualität und Zukunftsfähigkeit der eigenen digitalen Angebote. Sie ist ein klares Bekenntnis zu einer inklusiven Gesellschaft und positioniert den öffentlichen Sektor als modernen und bürgernahen Dienstleister.
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