Technische Schulden im Backlog: Priorisierung und Planung
In der agilen Softwareentwicklung ist Geschwindigkeit ein entscheidender Faktor. Teams stehen oft unter Druck, neue Features schnell zu liefern und enge Deadlines einzuhalten. In diesem Spannungsfeld entsteht häufig ein Phänomen, das als „technische Schulden“ bezeichnet wird. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff, und wie können Unternehmen lernen, diese Schulden strategisch zu managen, anstatt von ihnen überwältigt zu werden? Dieser Beitrag beleuchtet, wie technische Schulden entstehen, wie man sie im Backlog priorisiert und einen Plan für den gezielten Abbau entwickelt.
Was sind technische Schulden?
Der Begriff „technische Schulden“ (englisch: technical debt) ist eine Metapher, die von Ward Cunningham geprägt wurde. Er beschreibt die impliziten Kosten, die durch Nacharbeit entstehen, wenn man sich für eine schnelle, aber nicht optimale technische Lösung entscheidet. Anstatt den „sauberen“ und nachhaltigen Weg zu gehen, wählt man eine Abkürzung, um kurzfristige Ziele zu erreichen. Diese Abkürzungen können sich in Form von schlecht geschriebenem Code, fehlender Dokumentation oder unzureichenden Tests manifestieren. Langfristig führen diese „Schulden“ zu einer Verlangsamung der Entwicklung, erhöhter Fehleranfälligkeit und steigenden Wartungskosten. Es ist daher entscheidend, eine Strategie zum Technische Schulden abbauen zu entwickeln.
Die Ursachen von technischen Schulden
Technische Schulden können aus verschiedenen Gründen entstehen. Oftmals ist es eine bewusste Entscheidung, um ein Produkt schneller auf den Markt zu bringen. In anderen Fällen sind sie das Ergebnis von Unwissenheit oder mangelnder Erfahrung im Entwicklungsteam. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
- Geschäftlicher Druck: Enge Fristen und der Wunsch, schnell auf Marktanforderungen zu reagieren, zwingen Teams oft zu Kompromissen bei der Codequalität.
- Mangelndes Wissen: Wenn Entwickler nicht über das nötige Wissen oder die Erfahrung verfügen, um eine saubere Lösung zu implementieren, können unbeabsichtigt technische Schulden entstehen.
- Fehlende Tests: Unzureichende oder fehlende automatisierte Tests führen dazu, dass Fehler erst spät im Entwicklungsprozess entdeckt werden, was die Behebung aufwändiger macht.
- Veraltete Technologie: Der Einsatz veralteter Technologien oder Frameworks kann die Entwicklung verlangsamen und die Wartung erschweren.
- Schlechte Kommunikation: Mangelnde Abstimmung im Team kann zu inkonsistentem Code und Architekturproblemen führen.
Arten von technischen Schulden
Technische Schulden sind nicht gleich technische Schulden. Martin Fowler, ein bekannter Softwareentwickler, hat eine nützliche Klassifizierung in vier Quadranten vorgeschlagen, die auf der Unterscheidung zwischen bewussten und unbewussten sowie rücksichtslosen und umsichtigen Schulden basiert:
| Quadrant | Beschreibung |
|---|---|
| Umsichtig und bewusst | Das Team entscheidet sich bewusst für eine Abkürzung, um eine wichtige Frist einzuhalten, und plant, die Schulden später zu begleichen. |
| Rücksichtslos und bewusst | Das Team ignoriert bewusst bewährte Praktiken, um Zeit zu sparen, ohne die Konsequenzen vollständig zu verstehen oder zu berücksichtigen. |
| Umsichtig und unbewusst | Das Team lernt im Laufe des Projekts dazu und erkennt, dass frühere Entscheidungen nicht optimal waren. |
| Rücksichtslos und unbewusst | Das Team verfügt nicht über das nötige Wissen, um sauberen Code zu schreiben, und produziert unwissentlich technische Schulden. |
Wie man technische Schulden priorisiert und plant
Der Schlüssel zum erfolgreichen Umgang mit technischen Schulden liegt nicht darin, sie vollständig zu vermeiden, sondern sie strategisch zu managen. Ein strukturierter Ansatz zur Priorisierung und Planung ist dabei unerlässlich.
Schritt 1: Technische Schulden identifizieren und bewerten
Der erste Schritt besteht darin, die vorhandenen technischen Schulden zu identifizieren und zu dokumentieren. Dies kann durch Code-Reviews, statische Code-Analyse-Tools oder einfach durch das Sammeln von Beobachtungen des Entwicklungsteams geschehen. Jede Schuld sollte im Backlog als eigene User Story oder technisches Ticket erfasst werden. Wichtig ist dabei, die Auswirkungen der jeweiligen Schuld zu bewerten: Verlangsamt sie die Entwicklung? Führt sie zu häufigen Fehlern? Wie hoch ist der Aufwand für die Behebung?
Schritt 2: Priorisierung im Backlog
Nicht alle technischen Schulden müssen sofort behoben werden. Die Priorisierung sollte auf der Grundlage von Wirkung und Aufwand erfolgen. Eine einfache Matrix kann dabei helfen:
- Hohe Wirkung, geringer Aufwand: Diese Schulden sollten sofort angegangen werden, da sie einen schnellen und spürbaren Nutzen bringen.
- Hohe Wirkung, hoher Aufwand: Diese Schulden erfordern eine sorgfältige Planung und sollten in kleinere, überschaubare Aufgaben unterteilt werden.
- Geringe Wirkung, geringer Aufwand: Diese Schulden können opportunistisch behoben werden, wenn Entwickler in dem betreffenden Codebereich arbeiten.
- Geringe Wirkung, hoher Aufwand: Diese Schulden sollten nur dann behoben werden, wenn sie zu einem größeren Problem werden.
Schritt 3: Planung und Umsetzung
Sobald die technischen Schulden priorisiert sind, muss ihre Behebung fest in den Entwicklungszyklus integriert werden. Eine bewährte Methode ist die „Pfadfinderregel“: „Hinterlasse den Code immer sauberer, als du ihn vorgefunden hast.“ Das bedeutet, dass bei jeder Arbeit an einem bestehenden Code-Abschnitt auch kleine Verbesserungen vorgenommen werden sollten. Für größere Refactorings kann es sinnvoll sein, einen festen Prozentsatz der Sprint-Kapazität für den Abbau technischer Schulden zu reservieren. Dieser Ansatz stellt sicher, dass das Technische Schulden abbauen kontinuierlich erfolgt.
Proaktive Maßnahmen zur Vermeidung technischer Schulden
Noch besser als das Management technischer Schulden ist ihre proaktive Vermeidung. Dazu gehören:
- Etablierung von Code-Qualitätsstandards: Definieren Sie klare Richtlinien für sauberen Code und stellen Sie sicher, dass diese von allen im Team verstanden und befolgt werden.
- Regelmäßige Code-Reviews: Vier-Augen-Prinzipien helfen, Fehler frühzeitig zu erkennen und die Codequalität zu verbessern.
- Automatisierte Tests: Eine hohe Testabdeckung stellt sicher, dass neue Änderungen keine bestehenden Funktionalitäten beeinträchtigen.
- Kontinuierliche Weiterbildung: Investieren Sie in die Schulung Ihres Entwicklungsteams, um sicherzustellen, dass es stets auf dem neuesten Stand der Technik ist.
Fazit: Groenewold IT Solutions als Ihr Partner
Technische Schulden sind ein unvermeidlicher Teil der Softwareentwicklung. Ein proaktiver und strategischer Umgang mit ihnen ist jedoch entscheidend für den langfristigen Erfolg eines Produkts. Indem Sie technische Schulden sichtbar machen, sie im Backlog priorisieren und ihre Behebung fest in Ihren Entwicklungsprozess integrieren, können Sie die Qualität Ihrer Software nachhaltig verbessern und die Entwicklungsgeschwindigkeit hochhalten.
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