Implizites Wissen explizit machen: Techniken und Tools für einen erfolgreichen Wissenstransfer
In der heutigen wissensbasierten Arbeitswelt ist der effektive Wissenstransfer zwischen Mitarbeitern ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Unternehmen, die es schaffen, das wertvolle implizite Wissen ihrer Experten zu sichern und für alle zugänglich zu machen, sind innovativer, agiler und widerstandsfähiger. Doch wie gelingt es, dieses oft unbewusste und schwer zu fassende Wissen zu explizieren? Dieser Beitrag beleuchtet bewährte Techniken und moderne Tools, die Unternehmen dabei unterstützen.
Was ist implizites Wissen und warum ist es so wertvoll?
Implizites Wissen, oft auch als "stilles" oder "Erfahrungswissen" bezeichnet, basiert auf persönlichen Erfahrungen, Intuitionen und erlernten Fähigkeiten. Es ist das "Know-how", das sich nur schwer in Worte fassen oder in einem Handbuch niederschreiben lässt. Denken Sie an den erfahrenen Vertriebsmitarbeiter, der instinktiv weiß, wie er auf einen schwierigen Kunden eingehen muss, oder die Programmiererin, die ein "Bauchgefühl" für die eleganteste Lösung eines komplexen Problems hat. Dieses Wissen ist tief in den Handlungs- und Denkweisen von Personen verankert und macht einen Großteil der wahren Kompetenz eines Mitarbeiters aus.
Der Verlust dieses Wissens, beispielsweise durch den Austritt von Mitarbeitern, kann für Unternehmen verheerende Folgen haben. Ein strukturierter Wissenstransfer für Mitarbeiter ist daher unerlässlich, um dieses wertvolle Kapital zu sichern und weiterzuentwickeln.
Techniken zur Umwandlung von implizitem in explizites Wissen
Der Prozess der Umwandlung von implizitem in explizites Wissen wird als Externalisierung bezeichnet. Hierfür gibt es verschiedene Methoden, die sich in der Praxis bewährt haben.
Kommunikative Methoden
Der direkte Austausch zwischen Menschen ist oft der effektivste Weg, um implizites Wissen zu teilen. Folgende Formate eignen sich besonders gut:
- Storytelling: Erfahrene Mitarbeiter erzählen Geschichten aus ihrem Arbeitsalltag. Durch die narrative Form werden nicht nur Fakten, sondern auch Emotionen und Kontext transportiert, was das Verständnis und die Verankerung des Wissens fördert.
- Interviews und Debriefings: Gezielte Befragungen von Experten nach Abschluss eines Projekts oder einer wichtigen Aufgabe helfen dabei, ihre Vorgehensweisen, Entscheidungen und Lernprozesse nachzuvollziehen und zu dokumentieren.
- Mentoring und Shadowing: Jüngere Mitarbeiter begleiten erfahrene Kollegen ("Shadowing") oder werden über einen längeren Zeitraum von ihnen betreut (Mentoring). Dieser direkte Einblick in die Arbeitsweise ermöglicht einen intensiven Wissenstransfer.
Beobachtende und analytische Methoden
Manchmal ist es einfacher, Wissen durch Beobachtung und Analyse zu explizieren, anstatt darüber zu sprechen.
- After-Action-Reviews (AAR): Ein Team bespricht nach einer Aktion oder einem Projekt, was gut lief und was verbessert werden kann. Der Fokus liegt auf dem gemeinsamen Lernen aus der Erfahrung.
- Lessons Learned Workshops: Ähnlich wie AARs, aber oft mit einem breiteren Fokus auf strategische Erkenntnisse aus Projekten.
Kollaborative Methoden
Gemeinsames Arbeiten und Problemlösen fördert den Austausch von implizitem Wissen auf natürliche Weise.
- Communities of Practice (CoP): Gruppen von Mitarbeitern mit ähnlichen Interessen oder Aufgaben treffen sich regelmäßig, um Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen.
- Wissenslandkarten: Die Visualisierung von Wissensdomänen und Experten im Unternehmen macht transparent, wer über welches Wissen verfügt und fördert den gezielten Austausch.
Tools zur Unterstützung des Wissenstransfers
Moderne Softwarelösungen können den Prozess des Wissenstransfers erheblich erleichtern und skalierbar machen. Die Wahl des richtigen Tools hängt von den spezifischen Anforderungen des Unternehmens ab.
| Werkzeugkategorie | Beispiele | Anwendungsbereich |
|---|---|---|
| Wikis & Wissensdatenbanken | Confluence, Notion, SharePoint | Zentrale Ablage und Strukturierung von explizitem Wissen, Dokumentation von Prozessen und Anleitungen. |
| Kollaborationsplattformen | Slack, Microsoft Teams | Schneller Austausch im Team, Diskussionen, Ad-hoc-Fragen und -Antworten. |
| Social Intranets | Jive, LumApps | Förderung der unternehmensweiten Kommunikation und des Austauschs, ähnlich einem internen sozialen Netzwerk. |
| Lernmanagementsysteme (LMS) | Moodle, Cornerstone | Bereitstellung von strukturierten Lerninhalten, E-Learning-Kursen und Zertifizierungen. |
| Spezialisierte Wissenstransfer-Tools | AmberSearch, Guru | Intelligente Suchfunktionen, die relevante Informationen aus verschiedenen Quellen bündeln und proaktiv vorschlagen. |
Fazit: Wissen als strategische Ressource nutzen
Die Umwandlung von implizitem in explizites Wissen ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der eine offene und kollaborative Unternehmenskultur erfordert. Der gezielte Einsatz von Methoden wie Storytelling, Mentoring und After-Action-Reviews, unterstützt durch moderne Technologien, legt den Grundstein für einen erfolgreichen Wissenstransfer der Mitarbeiter. Unternehmen, die diesen Prozess meistern, sichern nicht nur wertvolles Know-how, sondern fördern auch die Lernfähigkeit und Innovationskraft ihrer gesamten Organisation.
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Über den Autor
Geschäftsführer & Gründer
Seit über 15 Jahren entwickelt Björn Groenewold Softwarelösungen für den Mittelstand. Als Gründer von Groenewold IT Solutions hat er über 250 Projekte erfolgreich begleitet – von Legacy-Modernisierungen bis hin zu KI-Integrationen.
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