Kurzfazit
AWS IoT Core ist sehr weit verbreitet, gut dokumentiert und skaliert hervorragend. Azure IoT Hub glänzt in Microsoft-Umgebungen und bei Hybrid- und Edge-Szenarien. Google Cloud IoT (Cloud IoT Core wurde eingestellt; Nachfolge über Pub/Sub und Vertex AI) eignet sich besonders in Google-Ökosystemen. Die Wahl hängt von Ihrer bestehenden Cloud-Strategie, Region und Ihren Anforderungen an Analytics und KI ab.
Übersichtstabelle: Vergleich nach 10 Kriterien
| Kriterium | AWS IoT Core | Azure IoT Hub | Google Cloud |
|---|---|---|---|
| Protokolle | MQTT, HTTPS, MQTT over WSS | MQTT, AMQP, HTTPS | Pub/Sub, MQTT-Bridge |
| Device Management | Ja (Thing, Shadow) | Ja (Twin, Direct Methods) | Über eigene Dienste |
| Skalierbarkeit | Sehr hoch | Sehr hoch (Units) | Hoch |
| EU-Regionen | Frankfurt, Irland u. a. | Frankfurt, Amsterdam u. a. | Frankfurt, Belgien u. a. |
| Preismodell | Nach Nachrichten | Nach Nachrichten / Units | Pub/Sub + weitere Dienste |
| Edge (Offline) | IoT Greengrass | IoT Edge | Edge-Optionen verfügbar |
| Analytics/KI | Lambda, SageMaker, Kinesis | Stream Analytics, ML | BigQuery, Vertex AI |
| Dokumentation | Sehr gut | Sehr gut | Gut |
| Typische Stärken | Breite Adoption, Ökosystem | Enterprise, Hybrid, Edge | Datenanalyse, KI-Integration |
| Typische Schwächen | Komplexität bei vielen Diensten | Stärker Microsoft-zentriert | IoT Core eingestellt, Migration |
AWS IoT Core: Stärken, Schwächen, Preise
AWS IoT Core ist einer der am weitesten verbreiteten IoT-Dienste. Device Shadow erlaubt den Zustand von Geräten zu speichern und abzufragen; Rules Engine leitet Nachrichten an Lambda, Kinesis oder andere Dienste weiter. Stärken: große Community, viele Integrationen, sehr gute Skalierbarkeit und Dokumentation. Schwächen: die Vielzahl an Diensten (IoT Core, Greengrass, FreeRTOS etc.) kann am Anfang überwältigend wirken. Preise: nutzungsbasiert nach Nachrichten (Publish/Subscribe); Free Tier für erste 1 Mio. Nachrichten/Monat.
Praxisbeispiel: Für einen Hersteller von Wärmepumpen haben wir AWS IoT Core eingesetzt, weil die Geräte bereits in großer Stückzahl im Feld sind und die Anforderung an EU-Datenhaltung (Frankfurt) und stabile MQTT-Anbindung im Vordergrund standen. Die Rules Engine leitet Telemetrie in eine TimescaleDB-Instanz; das Dashboard läuft über eine schlanke API. Preiskalkulation für 1.000 Geräte/Monat: Bei moderater Nachrichtenfrequenz (z. B. alle 5 Minuten ein Publish) liegen Sie typischerweise im unteren zweistelligen Euro-Bereich pro Monat für IoT Core; hinzu kommen Speicher und ggf. Lambda. Architektur-Hinweis: Device Shadow per Thing Name konsistent nutzen und Lifecycle-Events (connect/disconnect) für Anwesenheitslogik verwenden – so bleiben Gerätestatus und Steuerung synchron. Weitere Architektur-Optionen beschreiben wir im Thema IoT-Architektur erklärt.
Azure IoT Hub: Stärken, Schwächen, Preise
Azure IoT Hub integriert sich nahtlos in die Microsoft-Welt: Azure Active Directory, Stream Analytics, Power BI und IoT Edge. Device Twin und Direct Methods ermöglichen Konfiguration und Steuerung. Stärken: ideal bei bestehender Azure- und Microsoft-Infrastruktur, starke Edge-Story mit IoT Edge. Schwächen: wer nicht in der Microsoft-Ökologie unterwegs ist, hat weniger Vorteile. Preise: nach Nachrichtenvolumen oder nach reservierten Units; verschiedene Tier-Stufen.
Praxisbeispiel: Ein Produktionsunternehmen mit bestehender Microsoft-365- und Azure-AD-Infrastruktur nutzt IoT Hub für Maschinendaten aus der Fertigung; Stream Analytics aggregiert OEE-Kennzahlen und speist Power BI. Die Wahl fiel auf Azure, um Single Sign-On und ein einheitliches Monitoring zu behalten. Für 1.000 Geräte/Monat reicht oft der Standard-Tier mit einer S1- oder S2-Unit; die Kosten bewegen sich in der Größenordnung von etwa 25 bis 80 Euro/Monat je nach Nachrichtenvolumen. Technisch empfehlenswert: Direct Methods für zeitkritische Steuerbefehle nutzen, Twin für Konfiguration – und bei Hybrid-Szenarien IoT Edge für lokale Vorverarbeitung einsetzen. Mehr zu industriellen Use Cases: IoT für die Industrie.
Google Cloud IoT: Stärken, Schwächen, Preise
Google hat den früheren Dienst „Cloud IoT Core“ eingestellt; IoT-Anbindung erfolgt heute über Pub/Sub, Cloud Functions und ggf. Partnerlösungen. Stärken: starke Datenanalyse mit BigQuery, Vertex AI für ML-Modelle, gute Integration in Google-Ökosystem. Schwächen: keine dedizierte „IoT-Hub“-Abkürzung mehr; mehr Eigenaufwand bei Device Management. Preise: nutzungsbasiert für Pub/Sub und weitere Dienste.
Praxisbeispiel: Bei einem Projekt mit Fokus auf Predictive Maintenance und ML-basierter Auswertung haben wir Telemetrie über Pub/Sub in BigQuery gestreamt und mit Vertex AI Anomalie-Modelle trainiert; die Geräteanbindung erfolgte über einen MQTT-Bridge-Service. Für reine IoT-Hub-Funktionalität ist der Aufwand höher als bei AWS oder Azure – lohnend, wenn Analytics und KI im Vordergrund stehen. Kosten für 1.000 Geräte: Pub/Sub wird nach Nachrichtenvolumen abgerechnet; bei moderatem Traffic sind etwa 15–50 Euro/Monat realistisch, plus BigQuery und Functions je nach Auswertungstiefe. Architektur-Tipp: Geräte-Identität und Berechtigungen über IAM und Service Accounts steuern; Device-Metadaten in Firestore oder BigQuery ablegen, um einen „Twin“-ähnlichen Abfrageort zu haben. Unsere Leistung IoT-Entwicklung & Smart Home deckt Konzeption und Umsetzung ab.
Open-Source-Alternativen: ThingsBoard und Home Assistant
ThingsBoard bietet eine vollständige IoT-Plattform zum Selbst-Hosten: Geräteanbindung (MQTT, HTTP, CoAP), Dashboards, Rule Engine und Alarmierung. Vorteile: gut für Prototypen und kleine Deployments, keine laufenden Cloud-Kosten, volle Datenkontrolle. Nachteil: Sie tragen den Wartungsaufwand für Updates, Skalierung und Verfügbarkeit selbst. Für erste Proofs of Concept oder interne Werkstatt-Projekte eine sinnvolle Option. Home Assistant ist ideal für Smart-Home-Demos und lokale Automatisierung, weniger für industrielle Anwendungen: Es fehlen Multi-Tenancy, granulare Berechtigungen und die typischen Enterprise-Anforderungen an Auditing und Integration in ERP/MES. Für den Einstieg in die IoT-Architektur empfehlen wir unseren Themen-Artikel IoT-Architektur erklärt sowie die Lösungsseite IoT für die Industrie.
Weitere Plattformen: ThingWorx, Particle, Tuya
ThingWorx (PTC) richtet sich an industrielle IoT-Projekte mit starkem Fokus auf Digital Twin und AR. Particle bietet Hardware plus Cloud für schnelle Prototypen und Produktentwicklung. Tuya ist vor allem im Smart-Home-Bereich verbreitet (White-Label). Für Unternehmensprojekte mit hohen Anforderungen an Datenhoheit und Skalierung bleiben AWS, Azure und Google die häufigsten Wahl; ThingWorx und Particle sind für spezifische Szenarien sinnvoll.
Entscheidungshilfe: Welche Plattform passt zu Ihrem Projekt?
Wählen Sie AWS, wenn Sie maximale Flexibilität, breites Ökosystem und bewährte Referenzen brauchen. Wählen Sie Azure, wenn Sie bereits mit Microsoft 365, Azure AD oder On-Premise-Windows arbeiten und Edge-Szenarien wichtig sind. Wählen Sie Google Cloud, wenn Sie stark auf Big Data und KI setzen und in der Google-Welt unterwegs sind. Bei Unklarheit empfehlen wir einen Architektur-Workshop, in dem wir mit Ihnen Use Cases, Volumen und bestehende Infrastruktur durchgehen – siehe IoT-Entwicklung & Smart-Home-Lösungen.
Unsere Empfehlung und Erfahrung
In der Praxis setzen wir häufig AWS IoT Core oder Azure IoT Hub ein – je nach Kundeninfrastruktur und Region. Beide sind produktionsreif, skalierbar und in EU-Regionen DSGVO-tauglich nutzbar. Google Cloud kommt vor allem bei Projekten mit starkem Fokus auf Analytics und KI zum Zug. Wichtig ist uns: klare Architektur, standardisierte Protokolle und vermeidbare Abhängigkeiten von herstellerspezifischen Features, damit Sie langfristig handlungsfähig bleiben.
IoT-Architektur besprechenFAQ zu IoT-Plattformen
- Welche IoT-Plattform ist am günstigsten für den Einstieg?
- Für wenige Geräte und moderate Nachrichtenmengen sind alle drei Anbieter vergleichbar; AWS IoT Core und Google Cloud IoT bieten oft niedrigere Einstiegskosten. Azure IoT Hub punktet bei bestehender Microsoft-Infrastruktur und Hybrid-Szenarien. Eine pauschale Empfehlung ohne konkrete Geräte- und Nachrichtenzahlen ist nicht sinnvoll – wir berechnen mit Ihnen die voraussichtlichen Kosten für Ihr Szenario.
- Kann ich die Plattform später wechseln?
- Technisch ja, aber ein Wechsel ist mit Aufwand verbunden: Geräte-Firmware und Backend-Logik müssen angepasst werden. Daher lohnt sich eine fundierte Auswahl am Anfang. Wir setzen auf standardisierte Protokolle (MQTT, HTTPS) und vermeiden herstellerspezifische Lock-ins, wo möglich.
- Wo werden die Daten gehostet?
- AWS, Azure und Google bieten Regionen in der EU (z. B. Frankfurt, Irland). Für DSGVO und Compliance empfehlen wir explizit EU-Regionen; dann bleiben Daten in der EU und unterliegen den europäischen Datenschutzregeln.